EAA-News

Einschätzung des Handelsumfelds in Österreich und Europa

Dr. Paul Kaluza

Einschätzung des Handelsumfelds in Österreich und Europa

Der Bereichsleiter Handel der EAA-EnergieAllianz Austria, Dr. Paul Kaluza erläutert, wie er die Marktentwicklungen und das Handelsumfeld in Österreich und Europa einschätzt und wie die EAA diesen Herausforderungen am Markt begegnet.

Wie schätzen Sie das Handelsumfeld und die Entwicklung in Österreich und allgemein in Europa ein?

Wir beobachten seit langem tendenziell steigende Großhandelspreise. Vor allem 2018 sind die Strom-Großhandelspreise europaweit stark gestiegen: Hintergrund sind gestiegene Beschaffungskosten für Gas, Kohle und teurere CO2-Zertifikate. Das führt dazu, dass der Österreichische Strompreisindex (ÖSPI) – die Referenzgröße der Großhandelspreise in Österreich - auch im Mai weiterhin steigt: Insgesamt befindet er sich damit auf dem höchsten Stand seit Juni 2012. Auch im Vergleich zum Mai des Vorjahres liegt der ÖSPI um 49,9 Prozent höher. Dieser nachhaltige Preisanstieg wird durch zusätzliche regulatorische Eingriffe in das Handelsumfeld noch weiter verstärkt.

Die Trennung der gemeinsamen Strompreiszone mit Deutschland - was ändert sich durch die neue Grenzregelung?

Die Teilung der Strompreiszone mit Deutschland war aus unserer Sicht kontraproduktiv und ein Rückschritt für die marktwirtschaftliche Entwicklung eines gesamteuropäischen Strommarktes. Seit der Trennung der gemeinsamen deutsch-österreichischen Strompreiszone im vergangenen Oktober können österreichische Stromhändler nicht mehr unbegrenzt auf dem deutschen Strommarkt einkaufen. Der österreichische Strom-Handelsmarkt ist generell klein. Dementsprechend mangelt es an ausreichend Marktliquidität. Als Faustregel gilt – große Märkte ziehen Liquidität an, während kleine Märkte mit geringer Liquidität sich kaum weiterentwickeln. Das hat zur Folge, dass der österreichische Strom-Handelsmarkt mit niedrigerer Liquidität zu höheren Beschaffungsrisiken für österreichische Marktteilnehmer – wie der EAA - geführt hat. Preise können nur mehr unter höheren Risiken abgesichert werden.

Ziel der Preiszonentrennung war es, die Redispatch Kosten – also die Kosten zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität in Deutschland - zu senken. Hat das funktioniert?

Die Trennung der gemeinsamen Strompreiszone mit Deutschland hat nicht das gebracht, was erhofft wurde. Die Redispatch-Kosten sind nicht wesentlich gesunken. Hier ist die Frage zu stellen, wer Vorteile von der Trennung der gemeinsamen Preiszone hat. Für wen hat sich dadurch etwas verbessert?

Wie beurteilen Sie die aktuellen Forderungen, die Trennung der gemeinsamen Strompreiszone so rasch als möglich wieder rückgängig zu machen?

Das Clean-Energie-Paket der EU sieht 70 Prozent der grenzüberschreitenden Leitungskapazitäten eines EU-Landes für den freien Handel vor. Diese EU-Zielvorgaben, eine stärkere Harmonisierung der Netzbetreiber und ein zügiger Netzausbau sollten eine Anhebung der Kapazitätsobergrenzen für den Stromaustausch zwischen Österreich und Deutschland möglich machen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Core-Region?

Aus Sicht des Handels beurteilen wir die Umsetzung des Clean Energy Package positiv. Die Marktkopplung der Regionen CWE (Zentral-Westeuropa) und CEE (Zentral-Osteuropa) in der gemeinsamen Core-Region hat das Potenzial, ein weiterer Impulsgeber für einen gemeinsamen europäischen Energiemarkt zu werden. Wir hoffen auf eine erfolgreiche Marktkopplung auf Basis der in bereits in CWE implementierten flow-based-Methode und freuen uns, dass bald auch unsere östlichen Nachbarländer eingebunden werden. Es darf allerdings im grenzüberschreitenden Energiehandel kein Europa unterschiedlicher Marktmechanismen entstehen. Ziel ist ein „level-playing-field“ also eine Harmonisierung der Märkte mit gleichen Wettbewerbsbedingungen.


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